erdgeist is a Berlin based freelance and open source developer and political activist. Feel free to stroll around in the public parts of his brain.

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Write an email to erdgeist@erdgeist.org preferredly PGP encrypted, the key, fingerprint: 778A 973A 8922 A756 144C 93EF 93DB 8AA5 8BAA 2124. Reach me via Jabber at xmpp:erdgeist@erdgeist.org, where my OTR fingerprint is 7A4BC16B 479D4D10 EAC30B3B B52FD269 ADF818E3.

Follow @erdgeist on Twitter. Listen to the OHM podcast with monoxyd and CCC's monthly radio show Chaosradio. Look out for contributions to Die Datenschleuder and www.ccc.de, sporadically also on Frühstücksblog. Get the book 1984.exe.

Software projects

opentracker is a highly scalable tracker software for the bittorrent protocol, currently in use on the largest bulk trackers around.

ezjail is a jail management framework for the FreeBSD operating system, aiming to aid in setting up und updating virtual FreeBSD instances.

jaildaemon is a tool for the FreeBSD operating system to allow flexible and secure communication from jail environments to the host system.

minimunin is a tiny munin-node implementation for FreeBSD written in pure bourne shell providing basic plugin support.

elektropost is an ongoing mail server and webmail frontend project, documented to be set up on a FreeBSD jail and instanced on elektropost.org.

el is a unix tool aiding the Telefonbuch project for export and search queries.

anonbox is a web service to generate and maintain throw away email addresses, instanced on anonbox.net, including a javascript implementation of a unicode capable mbox-to-html renderer.

Telefonbuch is a project to quickly dump a certain kind of digital phone books.

vchat-client is a curses based chat client for the arcane vchat protocol.

briefkasten is a web service to anonymously submit messages via the web generating PGP mails and is instanced on the zeit-online briefkasten.

etherpad is a documentation project on how to setup the classic etherpad software in a FreeBSD jail.

timestretch is a fast implementation for SOLA, a sample time stretching algorithm.

Unless state otherwise, the software is released under beerware license. Some project's documentation is not yet migrated. You can also browse around my gitweb.

Blog

  • Hilfreicher Einreicher

    In den letzten Jahren habe ich mich an den Planungen der Congresse des CCC beteiligt und dabei einige wiederkehrende Probleme mit den Einreichungen erlebt. Folgende Hinweise sollen dabei helfen, zukünftig Frustrationen zu vermeiden, wenn gute Vorträge wegen schlechter Beschreibungen nicht angenommen werden.

    Geh immer davon aus, dass Dich keine Sau kennt.

    Die vielen Einreichungen werden von vielen Freiwilligen reviewed, die eventuell nicht seit 20 Jahren dabei sind und wirklich schlicht nicht wissen, wer Du bist.

    Wenn Deine Bio nicht erklärt, warum DU derjenige sein solltest, der den Vortrag hält, müssen Leute nach Aufzeichnungen Deiner Vorträge googlen. Nicht auf allen ist man da von der Schokoseite zu sehen.

    Das selbe gilt für den Abstract der Einreichung. Gehe davon aus, dass die Reviewer schon ungefähr das Fingerspitzengefühl haben, wie später die potentiellen Besucher: Wenn Titel und Abstract nicht einladen, kommt keiner. Wieso also überhaupt erst ins Programm nehmen?

    Such Dir den Track sehr genau aus.

    Zwar korrigieren wir zuweilen den Track, wenn er offensichtlich nicht passt, aber im Zweifel dauert das und die falschen Review-Teams bekommen ihn zu sehen, die dann nichts damit anfangen können.

    Die Konkurrenz innerhalb eines Tracks ist knochenhart, die zu verteilenden Stunden sind knapp. Im Zweifel kommt er in anderen Tracks besser weg.

    Zuletzt gilt natürlich: Auch das Publikum selektiert seine Vorträge nach Tracks grob vor.

    Mit welchen Reaktionszeiten muss ich rechnen?

    Einreichungen werden ab Beginn der CfP-Periode reviewt und es kann sein, dass es sofort Feedback gibt.

    Einige Teams arbeiten kontinuierlich, andere in Wellen. Die kommunizierten Deadlines sind Deine Handreichung. Versuche, zu den Acceptance-Deadlines erreichbar zu sein, da wir auf Deine confirmation angewiesen sind, bevor wir Deinen akzeptierten Vortrag in den Fahrplan aufnehmen können.

    Je später Du confirmst, desto später wirst Du auch im halfnarp sichtbar. Das ist unser Werkzeug, Kollisionen bei den Teilnahmewünschen zu vermeiden.

    Wenn Du etwas Vertrauliches präsentieren willst, wende Dich am besten verschlüsselt an einen Betreuer eines Track-Teams oder an presse@ccc.de. Einreichungen im Konferenzplanungssystem können von vielen Reviewern gesehen werden.

    Gib wirklich IMMER Deine Verfügbarkeit rechtzeitig an.

    Das Fahrplanschieben ist eine unfassbar komplexe Angelegenheit, bei der uns zwar Software hilft, aber am Ende müssen sehr viele Constraints beachtet werden. Wer nicht sagt, wann er kann, findet auch nicht statt.

    Wer wirklich nur zu den Prime-Time-Slots verfügbar ist, oder nur an einem Tag oder nur ein paar Stunden, muss damit rechnen, dass wir den Vortrag dann nicht annehmen können, oder ihn hintenan schieben.

    Bereite Dich auf Verkürzung der gewünschten Vortrags-Länge vor.

    Halbstünder sind keine Vorträge zweiter Klasse. Sieh ein Angebot einer Verkürzung auf 30 Minuten als Rettung vor der Ablehnung aus Zeitknappheit. Oft hilft es dem Vortrag sogar, ihn knackiger zu gestalten.

    Es ist total okay, ein "nein, geht nicht" zu antworten. Wir sind dann nicht böse, sondern müssen dann halt gucken. Im Zweifel kommen wir dann leider nicht zusammen.

    Gib die Voraussetzungen ans Publikum an.

    Einreichungen mit dem Fokus "For bloody beginners" sind gewiss kein No-Go, aber wir versuchen, die Balance zwischen anspruchsvollen und Einsteiger-Talks zu finden.

    "Schonmal gehalten" ist kein K.O.-Kriterium, nicht alle Teilnehmer sind auf allen Sec- und Sozialwissenschaftskonferenzen, nudele trotzdem bitte nicht "Deinen einen 08/15"-Talk.

    Reiche in einer Sprache ein, in der Du Dich wohlfühlst.

    Der beste Vortrag ist verschwendet, wenn die Art der Präsentation unmöglich macht, zu folgen.

    Wenn eine Einreichung mit schlimmen Grammatikfehlern in englisch daherkommt, oder halb nach google translate riecht, müssen wir befürchten, der Vortrag erfährt in Sachen Präsentation genausowenig Liebe.

    Wir wissen, dass man sich trotzdem sehr gut vorbereiten kann, auch wenn man in der Fremdsprache nicht sattelfest ist. Das zeigt man unter anderem mit einer gut übersetzten Einreichung oder einem Link zu Aufzeichnungen eigener englischer Vorträge.

    Kein Grund, sauer zu sein. Der Deutsche Nerd ist sehr stolz auf seine Englisch-Kenntnisse und wir haben viele schroffe Reaktionen auf vorsichtige Sprache-Ändern-Fragen erlebt. Aber Star Trek auf Englisch zu gucken ist eine andere Nummer, als vor 3000 Leuten verzweifelt nach Vokabeln zu stammeln. Glaubt mir: Been there, done that.

    Im Zweifel für Deutsch-Muttersprachler: Auf deutsch vortragen, jeder Vortrag wird gut live übersetzt.

    Für Speaker aus dem Rest der Welt: Holt Euch einen Co-Speaker dazu, der Euch hilft. Das habe ich in meiner Opening letztes Jahr auch gemacht, um alle mir wichtigen Punkte sicher zu kommunizieren.

    Mache Dich mit dem Congress wenigstens grob vertraut.

    Mit Geheimdienst- und Militärvergangenheit anzugeben, stößt bei Teilnehmern und in den Review-Teams auf Unverständnis.

    Auch wenn "viele Congress-Teilnehmer" nach "viel Kohle" aussieht, fahren wir das Event wirklich hart an der schwarzen Null. Jeder Euro, den Du uns nicht an Anreisezuschuß kostest, kann in Deko oder billigeren Eintritt fließen. Bitte sei maßvoll.

    Der Congress ist eine riesengroße werbefreie Zone. Zumindest geben wir uns die größte Mühe. Wenn Dein Firmenlogo zu groß auf Folien oder Deinem Shirt prangt, mach Dich darauf gefasst, ausgebuht zu werden. Bitte sei maßvoll.

    Niemand in der Contentorga oder der Koordinatoren vor Ort wird bezahlt. Viele haben Dayjobs, Kinder und noch lauter anderen Kram für den Congress zu tun. Bitte sei höflich, vor allem zu den Engeln vor Ort.

    Wie umgehen mit Ablehnung?

    Wenn wir schreiben "ist leider proppevoll", ist das keine Ausrede. In einigen Tracks werden nur eine von fünf Einreichung angenommen. Bevor Du "aber dieser und jener langweilige Talk wurde genommen und ich nicht" schreibst: Andere Teilnehmer = andere Interessen, daher gibt es unterschiedliche Tracks mit unabhängigen Kuratoren, die eben Dinge ins Programm nehmen, die Dich nicht interessieren.

    Wir müssen wirklich viele gute Einreichungen rejecten. Reflektiere vor dem doll Ärgern nochmal über Deine Einreichung, ob es nicht doch den einen oder anderen validen Grund für die Ablehnung geben könnte.

    Wenn Du Dich wirklich mißverstanden fühlst und meinst, der Abstract sei nur mißglückt, kannst Du eventuell noch nachbessern und auf die rejection-E-Mail antworten. In den meisten Fällen weiß das Content-Team aber schon, was sie tun.

    Die Track-Teams entscheiden (trotz anderslautender Gerüchte) nicht nach Nase, sondern wirklich nach Qualität der Einreichung und nachrangig nach rotem Faden und ausgewogener Fahrplanplanung. Trotzdem sind wir auch nur Menschen und die Veröffentlichung zu schroffer Reaktionen auf eine Ablehnung – gerade in sozialen Medien – kann im nächsten Jahr zur Begegnung mit einem gekränkten Reviewer führen.

    Schlussbemerkung

    Ich weiß, ich weiß. Für den 32C3 ist der Guide ein wenig spät. Ich werde ihn nächstes Jahr wieder hervorkramen.

  • ezjail 3.4.2

    ezjail 3.4.2 is out, fixing a problem that occurs if ezjail-admin is run from scripts to destroy and re-create jails. It also brings a new experimental freeze feature, allowing to dump zfs diffs between jail initialisation and freeze time into an ezjail flavour. Update Now in ports.

  • Markt und Fürst

    Nun hat es auch den Chaos Computer Club erwischt. Nicht nackte weibliche Brüste, Schimpfwörter, das Angebot von Funktionalität, die Apple auch gerne anböte, sondern schwammige Ausreden über "Informationen, über das Hacken von Apples Betriebssystem" waren Auslöser, eine bequemere Abspielmöglichkeit für Mitschnitte unserer Congresse zu verbieten, als beispielsweise youtube oder Safari es wären (die ironischerweise die selben Filme abspielen können, ohne aus dem Store zu fliegen).

    Die hochnäsige Selektionspolitik von Apple auf seinen Marktplätzen hat der Firma ja schon eine eigene Wikipedia-Seite beschert und noch immer gibt es Apologeten, die Apple Narrenfreiheit auf ihrer Plattform zugestehen wollen. Ich will mich am juristischen Gekloppe gar nicht groß beteiligen, sondern ein paar Denkanstöße aufschreiben, bevor ich sie wieder vergesse.

    Szene 1: Vor einiger Zeit gab es bei den traditionellen Straßenfesten eine Konsolidierung: Eine Event-GmbH übernahm Planung, Standanmeldung und Durchführung einer beträchtlichen Anzahl dieser Veranstaltungen. Würde man dem Betreiber zugestehen, nach Gutdünken NGO wie Greenpeace die Anmietung eines Standplatzes verbieten zu lassen?

    Szene 2: Durch die Vermallung der Innenstädte ist der freie Zugang zu Angeboten der sozialen Grundbedarfsdeckung wie Kino, Buchhandlungen, der Post oder gar Zugängen zum ÖPNV in Konflikt mit Interessen der Betreiber solcher halböffentlichen Räume getreten. Kann der Betreiber der Mall nach Gutdünken Hausrecht durchsetzen und Einzelnen den Zugang zu den Angeboten verwehren?

    Mehr noch: Kann und darf der Betreiber der Mall Einfluß auf Angebote und Auslagen der Geschäfte nehmen? Ist das Konzept des öffentlichen Raums eine sozialromantische Utopie des zwanzigsten Jahrhunderts? In wieweit sind die auf Immersion optimierten Portale und Digitalgut-Großmärkte als Digitalanalogie einer Mall zu vergleichen? Sind beim Betrieb durch Multinationale automatisch moralische Befindlichkeiten der Heimatländer eines Unternehmens maßgeblich?

    Szene 3: Ein Zeitungsgroßhändler ist in einer investigativen Recherche einer Zeitung nicht so gut weggekommen und beschließt nun, den Verlag in seinen Verteilgebieten nicht mehr zu führen. Weder Verlag noch potentielle Zeitungsleser haben ein Anrecht auf Zustellung, oder? Meine Plattform, meine Regeln? Wenn ich groß genug bin, einem signifikaten Anteil der Benutzer meiner Plattform die dargebotenen Inhalte zu diktieren, kann ich ja nach Belieben die Realität formen, richtig? Nein.

    Keine einigermaßen funktionierende Wirtschaft kann es sich lange erlauben, bedeutende Marktplätze unreguliert zu lassen. Aus dem Grundrecht der Berufsfreiheit in Deutschland sind diverse Einschränkung für die Märkte abgeleitet worden, um gerade kleineren und aufsteigenden Betrieben den fairen Zugang in etablierten Marktplätzen zu ermöglichen und nicht wegelagernden Kleinstfürsten wachsenden Neulingen den Saft ausquetschen zu lassen. Wenn mehrere Großbetriebe aus den USA versuchen, in Deutschland großes Geschäft zu machen, werden sie sich wohl oder übel auch an lokalen Grundrechten orientieren müssen.

    Es ist meine Hoffnung, daß horizontal so breit aufgestellte Krämerläden wie Apple, Google und Amazon, die durch Disruption alter Marktstrukturen großgeworden sind, nicht nach Belieben alle "Handelsbarrieren" abbauen dürfen. Gewiß, einige Regeln müssen im Lichte neuer technischer Entwicklungen neu ausgehandelt werden. Ein Großteil dieser Barrieren sind über Jahrhunderte ausgehandelt und absichtlich etabliert worden, um den schwächeren Einzelnen vor konzentrierter nicht-staatlicher Macht zu schützen. Die durch "Marktregeln" formalisierte moralische Werte sollten gesellschaftlich ausgehandelt werden, nicht global aufgewungen. Allen sozial oder wirtschaftlich wirkenden Teilnehmern sollte Teilhabe am Markt der Ideen und Produkte gewährt werden.

  • Bezahlwand

    In einem gar nicht so weit entfernten alternativen Zeitstrahl:

    Es ist Samstag morgens. Wie gewohnt bin ich mit meiner Schubkarre zum Zeitungskiosk, um mir die Wochenendausgabe zu holen. In letzter Zeit ging es den Printmedien nicht so gut, ich weiß. Aber so langsam bin ich doch genervt.

    Gut, dass die Werbeeinlagen immer mehr wurden, um den massiven Verfall der Kioskkunden und Abonnenten aufzufangen, kann ich verstehen. Guter Journalismus ist eben teuer. Klar, auch die Hochglanz-Binder in Quellekatalog-Stärke halten für mich viele interessante Produktinformationen bereit. Ein wenig zeitraubend ist das Blättern durch die auf bis zu mehreren Dutzend Werbeblätter verteilten redaktionellen Beiträge schon, sicher. Für die inzwischen mit 127 dB krakelenden Bordellwerbegrußkärtchen mit lasziven Stöhne-Aufnahmen habe ich mir so Schallschutztütchen besorgt. Wegen der Nachbarn und der Kinder. Und die kleinen schwarzen unauffälligen Beileger, wo die Stereoanlage dann immer so buppert, also diese Beileger mit den Löchlein, die angeblich Fotos von der Kreditkarte nach China schicken, da scheint die schwarze Sichtschutzfolie nicht mehr zu helfen, die ich normalerweise drumgewickelt habe. Dafür kommen die jetzt gleich mit Bleiakkus, damit die Röntgenautomatik und das Satellitenmodem genug Saft hat – daher die Schubkarre.

    Nun, hier hätte ich mir schon langsam gewünscht, ich hätte den ganzen Werbekram am Kiosk in den Müll werfen dürfen. Hat aber das Beugegericht Hamburg vor fünf Jahren verboten. Gut, da konnten sie auch nicht ahnen, dass das Druckpapier der Broschüren Krebs auslösen kann und lauter Gimmicks ungefragt Bilder in alle Zimmerecken projizieren und den Sender auf der Stereoanlage verstellen können. Und immer wenn man beim Umblätter einen der um den ganzen Rand drapierten "Jetzt kostenpflichtig bestellen"-Knöpfe berührt, steht keine zwei Minuten später das Inkassounternehmen für das angelieferte und gleich wieder abgeholte Luxussofa vor der Tür.

    Das passiert immer häufiger, seit der Pupillen-Tracker gleich eingebaut ist. Damit wird überprüft, ob ich auch vor dem Weiterblättern mindestens auf drei Produktinfos geschaut habe, sonst kann man ja sowieso nicht weiterlesen.

    Naja, und dass einige besonders schlecht gelötete Exemplare ab und zu mal Wohnungen niederbrennen, muss man im Zweifel in Kauf nehmen, um für unsere Nachrichtenlandschaft und den unaufhaltsamen Informationsdrang des Kapitalismus das Schmiermittel bereitzustellen.

    Aber das ist eben der Preis, wenn alle anderen keine Lust mehr haben, für gut recherchierte Artikel auch zu bezahlen.

  • Warum ich nicht rauche

    In letzter Zeit ist das Belehren von Minderheiten über die Fehlerhaftigkeit ihres anachronistischen Tuns in bestimmten Communities en vogue geworden:

    • Fleischlappenkonsum? – Go vegan!
    • Alkoholkonsum? – Straight edga!
    • Kraftfahrzeug mit Verbrennermotor? – Werde Kampfradler!
    • Festanstellung? – Crowdfunded Lattetrinker!

    Und dann ist da natürlich die Unsäglichkeit des Nikotinkonsums inklusive der Zwangsbeglückung der Umstehenden, der eigentlich schlimmsten Schnorrer: den Passivrauchern, die unisono ihre Überlegenheit mit passiv-aggressivem Gehuste und den heroischen Geschichten des vierwöchigen kalten Entzugs demonstrieren müssen. Auch ich huste meist. Verdeckt.

    Meine Geschichte ist einfacher. Nicht so glamourös, aber nachvollziehbar. Ich war neun. Meine Mama ist Lehrer für Mathematik in mehreren Klassenstufen. Bei den unter sechzehnjährigen war es Aufgabe der als Pausenaufsicht bestimmten Lehrer, Zigarettenschachteln zu konfiszieren und für die Herausgabe an die Erziehungsberechtigten aufzubewahren. Aus diesem Grunde befand sich in der Genussmittelsektion der Schrankwand meiner Nichtraucher-Eltern eine wohlsortierte und mit Herkunftszettelchen beklebte Sammlung von Tabakwaren.

    Ich war neun. Und allein zuhause. Und am Erkunden der Wohnung. Ich fand die Schachteln. An einer dieser Schachteln bediente ich mich, kombinierte die stibitzte Zigarette auf dem heimischen Balkon mit einem Streichholz und nahm einen kräftigen Zug. Nichts passierte. Ich nahm einen noch kräftigeren Zug und voller Stolz einen noch kräftigeren Zug. Immer noch nichts.

    Die kolportierte Coolness des nikotinkonsumierenden Heldens klebte schon förmlich an mir, bis ich bemerkte, dass mein Streichholz nicht gezündet und ich nur massiv Nebenluft geschnorchelt hatte. Nach dem erneuten – nun erfolgreichen – Zündens meines Streichholzes erglimmte die Zigarette wirklich und mit der selben Verve wie beim letzten Kaltstart saugte ich einen saftigen Lungenzug f6 in meine unvorbereiten Bronchien, der mich instantan nach hinten umkippen ließ. Mehrere nicht näher erforschte vegetative Aussetzer des Gastrointestinaltrakt beförderten zu beiden Enden größere Mengen Materials nach außen, von denen mein Körper annahm, er könne mit dem aktuellen Unwohlsein in Zusammenhang stehen.

    Mit viel zu kleinen Pupillen, Kopfschmerzen, Übelkeit und von oben bis unten besudelt mit allen erdenklichen eigenen Körperflüssigkeiten litt ich noch mehrere Stunden vor der eigenen Uncoolness kapitulierend über dem elterlichen Klobeckenrand.

    Präpariert mit dieser Erfahrung erschien mir einige Jahre später die mit dem impliziten "Coolness"-Versprechen offerierte Zigarette auf dem Schulhof wie ein Hohn. Traumatisiert von den vor meinen Augen aufglimmenden Erinnerungen des gescheiterten ersten Annäherns an diese Droge fiel mir die Ablehnung unter diversen fadenscheinigen Ausreden nie schwer.

    Wahrscheinlich hat mir die Erfahrung mehrere tausend Euro und diverse Lebensjahre gespart. Die Gelegenheit, am eigenen Leib einen Nikotin-Entzug durchzuziehen, hat sie mich auch gekostet. Daher werde ich weiter abstinent hüsteln. Aber nicht werten.

  • Ergebnisse für Sie maßgeschneidert

    Im Rahmen des Symposiums "Nähe auf Distanz" des Fachbereichs Kultur an der Uni Hamburg werde ich am 14. Juni zur Wirkmacht politischer Bilder im Internet einen Vortrag mit dem Titel "Ergebnisse für Sie maßgeschneidert" halten. Abstract und Konklusio gibt es hier.

    Abstract

    Die schiere Masse von Informationen, die inzwischen an allen Enden der Welt verteilt ist und für uns mit einem Klick auffindbar wäre, ist lediglich von unserem kulturellen Verständnisvermögen begrenzt. Um uns nur “relevante” Ergebnisse auf der Suche nach Nachrichten, Bildern, Videos und Webseiten auf den Rechner zu holen, benutzen wir vertraute Portale und Suchindexe, die ein Modell von genau unserem kulturellen Wohlfühlhorizont haben und deren Serviervorschläge unseren major consensus narrative nicht verletzen. Diese Filterdienste unterliegen jedoch eigenen marktwirtschaftlichen, politischen und juristischen Sachzwängen, die nicht immer im Sinne des Informationssuchenden sind.

    Für einen Zugang zu unvertrauten kulturellen Textquellen und zum Einordnen der Informationen benötigen wir einen kontextgebenden Vermittler – allein schon bei der Übersetzung. Klassisch übernahmen Korrespondenten institutionalisierter Nachrichtenformate diese Aufgabe und traten dabei auch mitsamt ihrer Reputation in den Vordergrund.

    Seit der ubiquitären weltweiten Durchdringung mit erschwinglichen Kameras ist das Bild als authentisches Medium ins Zentrum der Wahrnehmung anderer Regionen getreten. Längst haben sich Gruppen wie Anonymous und ISIS durch die gegenseitige Allverfügbarkeit von Informationen über unsere Bildersprache, Hollywoodfilmen und Nachrichtennetzwerken an unsere Medienkonsumgewohnheiten angepasst. Sie kennen und bedienen die narrativen Rituale, mit denen wir zu erreichen sind und benutzen das Modell, ihre Botschaften zu vermitteln. Die technischen Mittel stehen selbst Laien zur Verfügung.

    Das Korrektiv dieses Vermittlers – dessen Auswahl zuletzt ohnehin schon aus Bildungs-, Kaufkraft- und Technologieaffinitätsgründen nicht unbefangen geschah – tritt durch den Schritt hinter die Kamera zurück und wird durch die Neutralität suggerierende Kraft des Bilds zum potentiellen Manipulator. Doch selbst ohne bewusste Beeinflussung des Bildinhalts durch den Mittler repräsentiert in Zeiten automatischer Bildoptimierung, -selektion und -rekomposition keine digitale Fotografie mehr die Realität. Bilder erreichen uns direkter und erlauben, uns emotional zu vereinnahmen und deren Konsum wiederum beeinflusst unsere Wahrnehmung von der Welt und im Zirkelschluss das Modell, das unsere selbstgewählten Filter von uns haben.

    Konklusio

    Die Transparenz erzeugende Kraft des Internets hat eine Krise der Institutionen verursacht, die auch die tradierten Rituale der Nachrichtenvermittlung erfasst hat. Doch ohne ein Reputationssystem bleibt die Kontextualisierung, Übersetzung und Plausibilitätsprüfung von Datenfetzen an jedem Einzelnen hängen.

    Bilder im Internet suggerieren dabei momentan noch notorisch Neutralität und Authentizität, treffen direkt emotionale Nerven und machen uns anfällig, auf Manipulationen hereinzufallen. Meine Hoffnung ist, dass sich nach einem Sortierungsprozess neue Arten von Reputationsdelegation herauskristallisieren.

  • Little big data

    Ein Geheimdienst im 21. Jahrhundert, der was auf sich hält, muss Big Data machen: Möglichst alles über alle Bürger sammeln, horten, sortieren, filtern, rastern und ja niemandem was von den Ergebnissen mitteilen. Da hab ich mir gedacht: Das kann ich auch! Daher mache ich für meinen eigenen Kurznachrichtendienst eben in Little Big Data.

    Praktischerweise stellt die Deutsche Telekom im Halbjahrestakt eine digitale Offlinedatenbank bereit, die schonmal Adressen, Telefonnummern und Geokoordinaten der meisten Einwohner enthält - und das seit 1992. Einzige Nachlässigkeit: Die Informationen sind in binärer Form auf den Datenträgern abgelegt und die Gewissenhaftigkeit der Informanten im Post- und Telekomdienst lässt ausweislich offensichtlicher Fehler in den Datensätzen zu wünschen übrig.

    Von meiner Sammelleidenschaft habe ich ja bereits ausgiebig berichtet. Vor sieben Jahren war ich der festen Meinung, ich hätte alle Telefonbuch-CDs zusammen und mein Code würde alle verfügbaren Daten aus den Binärwust der Datenspender extrahieren. Doch plötzliche Funde von verschollen geglaubten Ausgaben mit noch exotischeren Formaten und die bei näherem Nachschauen auftretenden syntaktischen und semantischen Probleme in den Daten haben einen zweiten Anlauf der Pflege nötig gemacht.

    Begleitet mich nun am Dienstag, dem 9. Juni 2015 ab achte im Chaos Computer Club Berlin beim Datengarten 53 in einem besinnlichen Diaabend bei Geschichten einer abenteuerlichen Jagd nach den Datensätzen, von nervenaufreibendem Starren auf Binärmuster, um den Geheimnissen der Encraption auf den Grund zu gehen und dem überwältigenden Gefühl, mal an Datenmengen zu schnuppern, die noch vor ein paar Jahren problemlos als “Big Data” durchgegangen wären.

Playground

See the lecture about opentracker on 24C3 (slides), Wahlcomputer in Erlangen, Format String Exploits, see the interviews and TV show contributions (todo).

Skypixels are helium balloons lit by independent LED boards remote controlled by a NFR2401 controller.

GodMachine was an installation in the Dresden Museum of hygiene, allowing visitors to control the weather by gestures.

Laserharfe is a music instrument built together with friends. It converts hands moving in laser beams to MIDI signals and works on off the shelf electronics.

Some rather personal content, songs I wrote or recorded, some in my former band, Pumpanickle. Poetry I wrote. Recently into selecting or writing intros for podcasts alternativlos, turing galaxis, Frühstücksblog podcast, Neusprech, Fnord News Show and OHM podcast.